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#20 Wandel aktiv gestalten

Unser Gast Martin ist in der Unternehmensberatung tätig und beschäftigt sich jeden Tag mit Change Management. Welche Parallelen können wir mit unserem Leben ziehen und damit Wandel aktiv gestalten?





 

DG: David Geitner

DN: David Naßler


Gäste:

Martin Ruck



DN: Hallo, wir sitzen hier zwischen Roßtal und Stein.


DG: Auf einer schönen Parkbank.


DN: Genau, mit einer tollen Aussicht auf einen kleinen See, der ausgetrocknet ist.


DG: Ein Karpfenweiher, wahrscheinlich.


DN: Ja, wahrscheinlich, und trinken die letzte Feuerzangenbowle /


DG: Wir trinken die erste Feuerzeugenbowle des Jahres. So rum würde ich es eigentlich gerade sagen. Prost.


DN: Cheers. Ja, heute sprechen wir über Veränderungen und auch Wandel, und dazu haben wir einen Gast eingeladen, und zwar Martin Ruck. Und er, ja, wird uns ein bisschen was über Change-Management erzählen, und da switchen wir gleich mal rüber.


DN: Ja, ich sitze hier gerade mit unserem Impulsgeber, dem Martin Ruck. Martin, wir sind ja zusammen aufs Gymnasium gegangen und haben auch da unser Abi zusammen gemacht. Dann sind wir gemeinsam nach Bayreuth zum BWL-Studieren, hatten da auch eine ganz wilde und lustige Zeit. Und heute wohnst du in Starnberg und arbeitest auch dort. Vielleicht, dass du mal ganz kurz unseren Hörern erzählst, was machst du denn beruflich?


Martin: Ja, danke, David, erst mal für die Einladung zu eurem Podcast.


DN: Gerne, ja.


Martin: Mittlerweile arbeite ich in Starnberg und bin dort im Management Consulting tätig. Das heißt, ich bin Projektleiter auf verschiedenen Strategie- und Vertriebsprojekten. Unser Fokus liegt da generell auf den Bereichen Strategie, Innovation und Vertrieb. Und, ja, hier unterstütze ich verschiedene Unternehmen, von Mittelständlern und familiengeführten Unternehmen bis hin zu größeren Industriekonzernen oder auch deren Business Units bei der Erarbeitung und Implementierung dieser Strategien.


DN: Und, ja, das Thema ist ja heute Veränderungen, und ihr begleitet Unternehmen ja viel, ne, dabei, sich zu verändern, oder ihr beraten die. Und vielleicht, dass du mal kurz erklärst, was ist eigentlich Change-Management, mal so mit einfachen Worten.


Martin: Ja, das Thema Change-Management an sich ist ja wirklich ein sehr umfassender Prozess. Und wenn man dann, ja, noch mal den Begriff Management ein bisschen stärker beleuchtet, dann geht es ja darum, dass man so einen Change-Prozess, der in dem Unternehmen stattfindet, aktiv steuert. Und, dazu braucht es ein Team an Schlüsselspielern in einem Unternehmen, die diesen Change Prozess gestalten und auch positiv vorleben in dem Unternehmen.


DN: Wie läuft jetzt so eine Beratung ab bei euch? Also erst mal, genau, wie beratet ihr die Unternehmen? Vielleicht hast du da ein Beispiel auch mitgebracht. Und vor allem, wie gehen auch die Unternehmen, die Menschen, dann damit um, wenn sie sich verändern müssen oder dürfen oder sollen?


Martin: Ja, also erst mal ist es wichtig, dass in einem Unternehmen überhaupt ein Bewusstsein dafür da ist, dass es eine Veränderung notwendig ist. Und da ist häufig dann eben auch der Blick von außen wichtig, weil viele Unternehmen, wenn man da dann mal so rein hört, dann heißt es oft: „Ja, das haben wir schon immer so gemacht", oder: „Wir waren in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Warum sollen wir das nicht auch in Zukunft sein?" Das heißt, da gibt es schon einige Barrieren, die da einem entgegenschlagen. Und da ist es dann auch oft hilfreich, wenn man auch wirklich dann aus externer Sicht, ja, ein paar Punkte dann mal aufzeigt, warum ein Unternehmen überhaupt eine Veränderung braucht. Und, ja, wie wir dann in den Projekten vorgehen, also wichtig ist es, dass man mit dem Unternehmen zusammen und auch allen, ja, Leuten ein positives Bild für die Zukunft entwickelt, wo man dann auch die Mitarbeiter abholen kann, warum gerade dieser Change wichtig ist, und dann natürlich auch definiert, was es für Meilensteine geben soll. Und entlang dieses Weges dann auch die ersten Erfolge sichtbar zu machen und auch zu zeigen, dass dieser Change wirkt, und dass sich dann auch wirklich alle abgeholt fühlen.


DN: Wie ist es bei dir? Findest du Veränderungen gut oder eher schwierig?


Martin: Ja, ich glaube, Veränderung hat sehr viele Facetten. Also Veränderung kann sehr positiv sein, aber kann natürlich auch negativ sein, denn man wartet ja auch nicht unbedingt auf Veränderung. Oftmals ist man auch mit einem bestimmten Zustand sehr zufrieden und man sieht jetzt keinen Bedarf an Veränderungen. Aber dennoch ist ja die Welt auch sehr schnelllebig oder es verändern sich sowohl extern Dinge und man muss sich darauf einstellen. Es gibt aber auch immer persönliche Veränderungen, ja, mit denen man fertig werden muss und wo man dann sich vielleicht auch, ja, besonders darauf einstellen kann, dass man das positiv angeht und die Veränderungen dann auch in die Richtung steuert, in die man es selbst möchte. Dann danke dir für die Zeit und für deine Impulse. Und damit gehen wir wieder zurück zur Wanderung, zum David und mir.


Martin: Vielen Dank.


DN: Und jetzt sind wir wieder zurück, nicht mehr in Starnberg, sondern am Dorf. David, du hast dich jetzt auch gerade verändert. Wie erging es dir dabei?


DG: Ja, beruflich tatsächlich verändert. Es ist tatsächlich gar nicht so einfach. Ich bin ein Gewohnheitstier, und ich merke schon, dass sich immer wieder neu auf was einlassen gar nicht so einfach ist. Also natürlich wird das dann gut, und das weiß man auch, aber es verändert sich halt das Gewohnte. Und da tue ich mir immer einfach schwer. Das fängt dann an mit, du kriegst einen neuen PC. Der kann nicht mehr das, was der andere davor konnte.


DN: Das ist was Martin angesprochen hat. Manchmal verändern sich die externen Faktoren.


DG: Ja, genau.


DN: Du kannst gar nichts dafür.


DG: Und ich bin dann halt auch noch so ein IT-Depp! Dann funktioniert das alles nicht. Und das sind eher die Dinge, die mich dann tatsächlich stressen. Aber inhaltlich natürlich freue ich mich auf meine neue Aufgabe. Ich fand es sehr spannend, was Martin gesagt hat, zum Thema Veränderungen. Es geht darum, Prozesse aktiv zu gestalten, also diese Veränderungen gestalten zu können. Hast du Erfahrungen für dich, wo du sagst, da hast du Veränderung aktiv gestalten können?


DN: Also ich versuche eigentlich schon, jede Veränderung aktiv zu gestalten. Also manchmal ist man ein Getriebener von Terminen oder von Umständen. Aber ich finde, das ist immer die schlechtere Position. Sondern es ist immer wichtig, dass man aktiv Dinge gestaltet, weil dann ist man auch freier in dem, was möchte ich eigentlich tun und wo möchte ich in meinem Leben vielleicht auch hin. Ein Beispiel: Dass wir uns entschieden haben, wir bauen ein Haus, ist ja auch, eine aktive Entscheidung. Wie wollen wir auch dann Familie leben und gründen. Das haben wir aktiv gestaltet. Mit Blick auf den Job: „Ich möchte in die Firma und ich möchte die Geschäftsführung übernehmen", und das aktiv so entschieden habe. Immer, wenn ich mit Leuten kommuniziere und Dinge vorantreibe, dann ist es immer besser, als wenn ich abwarte, weil dann kommen die Veränderungen plötzlich.


DG: Das setzt natürlich so ein Stück voraus, dass ich mich auch verändern will. Denn ich glaube, dass du nicht immer nur auf positive Resonanz stößt, wenn du irgendwo hingehst und sagst: „Hey, in der Firma, das müssen wir jetzt ändern. Das kann auch sein, dass das vielleicht nicht ganz so positiv wahrgenommen wird. Jetzt mal weg vom Beruf. Privat geht ihr da auch aktiv Veränderungen an? Du hast es gerade schon kurz anklingen lassen, mit eurem Hausbau. Wir versuchen es immer wieder neue und bestimmte Dinge anzuschauen und uns zu motivieren. Wie geht es dir da in der Partnerschaft?


DN: Na ja, also wir haben uns aktiv entschieden zu heiraten.


DG: Sehr gut, genau.


DN: Das ist auf jeden Fall schon mal eine große Veränderung und Prozess, den wir aktiv gestaltet haben. Und ich denke schon, dass wir da oft, ja, einer Meinung sind, ja, Dinge anzugehen. Ja, also was ich auch spannend finde, ist, was Martin gesagt hat zum Thema, mit dem Team von Schlüsselspielern. Also es sind immer auch Menschen im Leben, die einen entweder auf Prozesse oder Veränderungen, auf neue Ideen hinweisen und dann auch dabei begleiten. Also für mich sind es auf jeden Fall meine Eltern, auf die ich immer wieder zukomme, um zum Beispiel nach Rat zu fragen, nach einer Meinung zu fragen, und auch natürlich bei unseren Wanderungen, ja, wo wir auch viele Dinge diskutieren und besprechen. Und das ist schon wichtig, dass man Schlüsselspieler hat, die einen unterstützen, aber dann auch in bestimmten Punkten sagen: „Halt."


DG: Zu viel Veränderung vielleicht dann auch?


DN: Zu viel Veränderung, genau.


DG: Oder in die falsche Richtung.


DN: Flasche Richtung. Und da sind so viele Bereiche im Glauben natürlich. Wir hatten es vorhin mit Blick auf eine Patenschaft.


DG: Als Taufpate meinst du.


DN: Genau.


DG: Also du brauchst Menschen, die dich da auch unterstützen, denn Veränderungen sind auch nicht nur einfach


DN: Ja.


DG: Also ich merke, je älter man wird, desto schwieriger wird das. Ich meine, klar, wir sind noch jung, auf die gesamte Lebenszeit betrachtet. Ich kann mich noch erinnern, früher bin ich gerne abends weggegangen. neue Leute kennengelernt. Mittlerweile fällt mir das schon schwerer und ich muss mich da schon echt auf neue Leute einlassen.


DN: Ja, ja.


DG: Mit Veränderungen habe ich es schwer.


DN: Da habe ich ein ganz großartiges Beispiel noch zum Thema neue Leute kennenlernen und auch Veränderungen. Letztens war ich am Grundstück bei uns. Dann bin ich heimgefahren und habe gesehen, dass ein junger Mann, ungefähr mein Alter, irgendwie den Bus gerade verpasst hat. Dann habe ich innerhalb von einer Millisekunde angehalten, Fenster runter, so: „Hey, willst du mitkommen, wo musst du hin?" „Ja, nach Lauf, Bahnhof." „Alles klar, steige ein."


DG: Das ist aber nett von dir.


DN: Das war super krass. Also das war keine bewusste Entscheidung. Es war einfach so unterbewusst: „Alles klar, der muss jetzt mit." Und dann haben wir uns richtig gut unterhalten so auf dem Weg dahin, wir haben dann auch Nummern ausgetauscht. Er kommt aus dem Ort Simonshofen, und haben jetzt einfach gesagt, wenn wir wieder da sind am Grundstück, dann treffen wir uns mal


DG: Der wohnt also an eurem neuen Wohnort?


DN: Genau.


DG: Und du dachtest: Ach den spreche ich jetzt mal, der wohnt bei mir und der steht ohnehin gerade an der Haltestelle.


DN: Genau.


DG: Das könnte ich nicht.


DN: Ein bisschen lustig ist es schon. Aber wir wollen natürlich auch in dieses Dorfleben, mit diesen Menschen und diese Gesellschaft hineinkommen, und dann ist es ein cooler Anfang, da jemanden kennenzulernen und zu sagen: „Hey – ich nehme dich mit!“ Vielleicht wird das mal ein Joggingpartner oder wie auch immer. Ein Beispiel, um Menschen kennenzulernen.


DG: Ich finde das schon spannend, sich dann ganz auf diese Veränderungen einzulassen. Das ist mit dem Glauben nichts anders. Wenn du sagst „Ich will mich da wirklich verändern, und ich will das sich was in mir verändert.“ Dann muss das schon von ganzem Herzen passieren. Mir fällt da gerade die Geschichte von Maria und Josef ein: Beide haben bestimmt nicht damit gerechnet haben, dass sie jetzt den Retter der Welt, der dann diese Welt erlöst, auf die Welt bringen. Aber sie haben diese Veränderung, die wahrscheinlich auch nicht einfach war angenommen und dass auch mit ganzem Herzen. Maria singt den Lobgesang für Gott an einer Stelle, obwohl Sie weiß, dass sie ihrem Mann sagen muss, dass Sie schwanger ist, als Jungfrau. Das gehört zum Glauben dazu: „Ja, ich glaube und ich gehe diesen Schritt, auch wenn er vielleicht nicht gleich einfach ist und wenn es jetzt anders ist, als ich mir das vorstelle und nicht sehe, wo er mich hinführt. Aber ich gehe ihn und ich stehe zum jetzigen Zeitpunkt zu hundert Prozent dahinter und nehme ihn auch tatsächlich aktiv an und hol mir dann halt auch Unterstützung, wenn es schwierig wird. Da sind wir wieder bei den Schlüsselspielern. Wie war das bei dir beim Glauben? Also wie bist du zum Glauben gekommen: Gibt es da eine Schlüsselsituation oder einen Schlüsselspieler?


DN: Also, ja, wir hatten es bestimmt schon das eine oder andere Mal im Podcast, dass es schon immer ein Prozess war. Angefangen hat es mit Prochrist, glaube ich. Ein Entscheidungsabend mit Komm-vor-ans-Kreuz und leiser Musik. Und dann wurde ein Gebet gesprochen und man war dabei. Wobei es halt, durch die Musik und das Setting eher so sein Moment war, der emotional aufgeladen war. Aber natürlich, das war ein wichtiger Startschuss, dass ich mich dann überhaupt damit beschäftigt habe. Dann habe ich angefangen, im Jugendausschuss der EJ-Lauf mitzuarbeiten. Da habe ich immer mehr, dazugelernt und mich nochmal mehr damit beschäftigt. Und dann natürlich über meine Eltern. Ja, wir sind immer in die Kirche gegangen, haben zu Hause zusammen gebetet und haben einfach christliche Werte gelebt. So richtig gefühlt, richtig los ging es eigentlich erst, so vor ein paar Jahren, als ich als Mitarbeiter auf Freizeiten dabei war. Wo wir uns einfach auch viel mehr dann über den Glauben ausgetauscht haben. Da wurde der Glaube dann tiefer. Vorher war es eher oberflächlich und dann eben diese Veränderung, dieser Wandel hin zu, ich beschäftige mich intensiv damit. Und was bedeutet das auch für mich? Und, ja, mehr hinterfragt vorher zu dem lieben Gott. Ich glaube er ist immer noch lieb, aber es verändert sich das Bild und der Blick.


DG: Ich habe ja auf den Freizeiten schon immer gesagt: Nicht der liebe Gott, sondern der liebende Gott. Der liebe Gott ist mir zu hosentaschenmäßig, zu klein, aber der allumfassende liebende Gott, das kann ein tragfähiges Gottesbild sein.


DN: Wie war das bei dir eigentlich?


DG: Ich habe gerade tatsächlich überlegt. Also für mich ist es ganz, ganz stark erst mal aus einer Verantwortungsethik heraus entstanden. Also ich bin aus einem nicht-christlichen Elternhaus gekommen. Tatsächlich bin ich auch über die Jugendarbeit im CVJM in meiner Heimat in Nürnberg zum Glauben gekommen. Als Jugendlicher und auch heute noch hat mich stark die Frage nach der Gerechtigkeit in unserer Welt geprägt und interessiert. Wie kann es sein, dass wir die Güter so ungerecht verteilen und Armut in Kauf nehmen. Ich habe dann einen Aufsatz von Franz Segbers über die Thora gelesen, mit dem Thema „Bedingungslose Option für die Armen“ und dort hat sich mir die Bibel eröffnet: Anteilnahme mit den Schwachen und Einsatz für Gerechtigkeit, als Leitmotiv für Christen. Und in diese Phase hinein, hat mich dann mein alter Jugenddiakon irgendwann gefragt: Jetzt beschäftigst du dich mit der Thora, mit dem Alten Testament aber: Wie sieht es denn aus: „Glaubst du an Jesus? Kannst du Ja zu Jesus sagen?“ Und dann habe ich lange überlegt. Ich war oder bin auch ein sehr kritischer Geist. Und doch habe ich dann, nach einiger Bedenkzeit, tatsächlich gesagt: „Doch ja, da glaube ich dran." Mir ging es ähnlich wie dir. Ich wusste noch gar nicht vollumfänglich, zu was ich da jetzt JA sage. Das kannst du mit sechzehn oder siebzehn Jahren noch gar nicht wissen. Aber durch mein damaliges JA – bin ich dann in die Diakonen Ausbildung und dort hat sich der Glaube dann nochmal gefestigt und ich konnte dann, bei meiner Einsegnung vollumfänglich JA zu Jesus sagen.


DN: Spannende Geschichte. Deine Ausbildung hat dich dann geprägt?


DG: Genau. Also du sagst in dem Moment in der Jugendarbeit in jungen Jahren JA. Und wenn ich zurückblicke, was das für eine Auswirkung hat, dieses JA zu Gott auf mein Leben, das ist schon krass. Ich bin Diakon geworden. Ich habe Jugendarbeit gemacht. Jetzt berate ich Menschen im Kirchenasyl. Also Glaube ist eine lebensverändernde Sache, in meinem Fall sogar berufsbiografisch, der immens ist. Ich habe erst nach und nach über das Studium, dann meine Gottesbilder kritisch hinterfragt und verändert. Also der Glaube ist auch veränderbar, das ist kein abgeschlossener Prozess tatsächlich. Und doch steht am Anfang, das JA zu Jesus Christus. Und dann beginnt Gottes Plan mit dir.


DN: Also ich glaube, wir haben tatsächlich noch nie drüber geredet und ich habe noch nie gefragt, wie du eigentlich Christ und Diakon geworden bist. Von daher spannend. Aber ich denke mir, wenn ich jetzt nicht in einer christlichen Familie aufwachse, so wie ich das jetzt getan habe, und sage: „Ich will Jesus nachfolgen", oder Zweifel habe, wie gehe ich das an?

DG: Wir sind damals umgezogen in Nürnberg von der Südstadt, dann in eine ländliche Gegend nach Eibach, wo wir heute noch hinlaufen im Übrigen. Meine Mutter hat mich dann in eine Jugendgruppe gebracht. Und das ist ja dein Punkt, aktiv gestalten. Jedenfalls hat es meine Mutter für mich erst mal aktiv gestaltet. Sie war eine Schlüsselperson, neben ein paar anderen. Meine Mutter hat also Change-Management betrieben, nennen wir es jetzt mal so. Und das ist genau das, was Martin gesagt hat. Das war nichts anders. Einziger Unterschied im Glauben ist, dass es nicht um Prozesse geht, die du allein optimieren kannst. Du brauchst in dem Moment auch die Gotteserfahrung. Und da kann man sagen, die kannst du nicht erzwingen. Es gibt Menschen, die beten bis zum Schluss und haben leider nie diese Gotteserfahrung, die für sie prägend ist. Ich glaube die Frage ist da, was heißt es, wenn ich mich auf den Glauben einlasse? Das heißt nicht, dass es dann Batsch, Bum, Bäng alles besser ist und dass es quasi jetzt dann gleich um die Ecke explodiert und ich schwebend über den Dingen in mein Leben nur noch Gutes erlebe. Glaube ist keine Magie, sondern Glaube heißt, dass Gott mitgeht. Da ist diese tiefe Gewissheit: Gott ist da! Und ich kann ehrlich sagen, dass ich jetzt nicht die monumentalen, aufregenden Zeichen und Wunder als Gotteserfahrungen erlebt habe. Ich kann dir aber sehr wohl ganz, ganz viele kleine Momente nennen, wo ich weiß, dass diese Veränderung in meinem Herzen, die Christus, die Jesus bewirkt hat, dass die wirklich authentisch sind, dass Jesus, Gott mich verändert hat. Ein Erwartungsmanagement an den Glauben. Keine großen Zeichen und Wunder, sondern die Veränderung im Herzen sind Jesu Weg zu wirken.


DN: Kein Auffahren in den Himmel oder brennende Büsche?


DG: Das ist mir schon wichtig. Denn das sind Bilder gefährlich werden können, weil sie falsche Erwartungen wecken, da muss man vorsichtig sein. Wenn ich nur auf den brennenden Dornbusch warte, kann ich u. Umständen lang warten. Bei mir hat kein Busch gebrannt.


DN: Schon etwas blasphemisch, oder?


DG: Ist das blasphemisch? Ich weiß es nicht. Ich denke, dass der Dornbusch-Glaube keine Alltagstauglichkeit hat. Denn es gibt auch Zeiten, wo ich hadere. Aber es ist eine Gewissheit zu wissen, Gott geht mit und Gott ist tatsächlich da. Und auch wenn ich die Bibel lese, dann finde ich natürlich, neben dem Dornbusch-Glauben, nenne ich ihn jetzt mal ja, auch ganz, ganz viel, wo Gott still einfach mitgeht. Die Emmaus-Geschichte zum Beispiel: Wo Gott gar nicht erkannt wird. Dieser Blick gehört gleichermaßen zur biblischen Wahrheit und die ist mir viel näher: Zu wissen, dass ich Gott vielleicht gar nicht erkenne, aber weiß er geht mit. Diese Glaubensbilder gehören zusammen und haben beide ihre Berechtigung. Die einen sagen: „Ich hatte meine Gotteserlebnisse und ich habe die genauso erlebt wie den Dornbusch, als ein Unterbrechen der Wirklichkeit“ und die anderen sagen: „Gott geht mit – Ich erkenne ihn nicht, aber ich habe die Gewissheit: Gott ist da!“


DN: Ja, und auch der Glaube, der dich aufrechterhält, denn nicht jeden Tag brennt der Dornbusch, sondern vielleicht einmal.


DG: Genau.


DN: Und in der restlichen Zeit, bist du auf dich allein gestellt oder bestenfalls in der Gemeinschaft auch mit anderen. Aber eben, ja, diese exorbitanten Wunder passieren eher weniger.


DG: Und zurück zu deiner Frage: „Was macht das dann für jemand, der jetzt aus einer nicht-christlichen Familie kommt, wie kann er im Glauben dranbleiben?“ Ich glaube, du selbst kannst dich in Gemeinschaft mit anderem Christen*innen begeben, aber letzten Endes ist es der Geist Gottes, der dir die Gottesbegegnung eröffnet. Es ist der Heilige Geist, wenn wir uns die Pfingstgeschichte anschauen, der in Bewegung bringt. Das kann nur Gott selbst sein und du kannst ihn nur daran bitten und in der Hoffnung leben, dass Gott da ist.


DN: Den heiligen Geist einladen.


DG: Einladen, ja, und auch wenn du das tust, dann hast du trotzdem nicht die Gewissheit, dass es morgen, übermorgen, jetzt sofort passiert. Das soll nicht demotivieren, sondern Mut machen und Ängste nehmen. Du kannst nur bitten, ja, und in diesem Bitten bleiben. Und dann bleibt es Gott überlassen, das hört sich jetzt hart an, ob er in dem Moment es so erwidert, wie du es aufnehmen kannst. Aber man kann sich sicher sein, er ist da, auch wenn du ihn vielleicht nicht in diesem Maße spürst, wie du es dir wünscht. Gott will, dass wir uns verändern, und er lässt uns auch in der Situation dann nicht alleine, auch wenn es mal vielleicht nicht spürbar ist. Das bleibt ein Stück schwierig auszuhalten und gleichzeitig, ist es leider auch die Realität des Glaubens, dass dieser ein Mysterium, sprich ein Geheimnis, bleibt.


DN: Ja, aber trotzdem bin ich ja aktiv, wenn ich ihn einlade, in mein Leben zu kommen, und gestalte damit den aktiv die Wandel.


DG: Richtig. Ich öffne mich: Und wenn ich gerade diese Auszeit habe, wo Gott zwar mitgeht, aber ich ihn vielleicht nicht sehe, nicht spüre, nicht wahrnehme, dann glaube ich ist es wichtig, diese Schlüsselspieler zu haben, die zu einem erfolgreichen Change-Management ja dazugehören. Das können gute Freunde sein. Das können dann wieder Paten sein, die dich im Glauben unterstützen. Das können andere Christen sein. Das kann die Kirche sein, der Pfarrer. Also dann auch aktiv jemanden zu suchen, der vielleicht für einen und mit einem betet, dass man diese Zeit eben, ja, dann auch übersteht. Das man jemanden hat der mit einem diese Zeit durchsteht. Ich ermutige euch alle, dann dort auf andere, auf diese Schlüsselspieler des Glaubens zuzugehen, denn du brauchst andere Menschen, dir im Zweifel dann die Unterstützung bieten, dass du dranbleibst oder zum Glauben kommst.


DN: Ja, und vielleicht sind das wir mit dem Podcast oder Freunde, Bekannte oder, ja, Menschen in der Gemeinde. Und in diesem Sinne, gestaltet den Wandel aktiv und vertraut bei all dem auf Gott


DG: Auf Gottes Zuwendung und Nähe.


DN: Genau. Und wir werden jetzt auch wieder aktiv und laufen weiter zur nächsten Gaststätte.


DG: Jawohl.

DN: In diesem Sinne /

DN: Mache es gut, tschau.

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