#14 Lebensfreude

Es gibt einen „World Happiness Report“, also einen Welt-Glücks-Bericht der von den Vereinten Nationen jährlich veröffentlicht wird. Wichtige Faktoren bei der Lebensfreude sind hier Arbeit & Einkommen, Gesundheit, auf Freunde vertrauen, Freiheit, Spenden, keine Korruption, Alter, Beziehungen, Vertrauen auf den Staat,…

Wie aber erlangen wir echte Lebensfreude? Und was, wenn dieses Gefühl oder der Umstand "Freude" ganz weit weg sind?




 

DG: David Geitner

DN: David Naßler

Gast: Steffi



DN: Herzlich Willkommen zum neuen Podcast der doppelte David.


Steffi: Hi


DG: Hi.


DN: Ihr habt jetzt gerade eine neue Stimme gehört, wir werden euch gleich verraten wer das ist. Aber erst mal zum Thema, und zwar wollen wir heute über das Thema Lebensfreude sprechen. Es gibt einen World Happiness Report, einen Welt Glücksbericht, der von den Vereinten Nationen veröffentlicht wird. Und dabei ist Finnland auf dem ersten Platz mit knapp 8000 Punkten, Island ist auf dem zweiten Platz, und Deutschland auf Platz sieben. Und Deutschland war-. Ja wir haben noch einen vierten Gast, das ist die Xena. Deutschland war von 2017 bis 2019 auf dem fünften Platz. Das heißt die Deutschen sind 2020 einfach glücklicher, ist doch geil. Ja leider gibt es einen letzten Platz, und das ist Simbabwe mit 3000 Punkten. Wichtige Faktoren bei dieser Studie waren Arbeit und Einkommen, Gesundheit, dann auf Freunde zu vertrauen, Freiheit, Spenden, keine Korruption, das Alter, Beziehungen, Vertrauen auf den Staat. Das ist unser Thema heute. Wir sind heute mit dem doppelten David unterwegs und mit der Steffi. Steffi du bist Diakonin in Marktredwitz. Und wir haben auch noch die Xena dabei, deinen Hund. Hallo ihr beiden.


DG: Hi, grüßt euch.


DN: Ja wo sind wir denn gerade?


DG: Irgendwo im Wald, ach ja am klingenden Wasserfall habe ich mir sagen lassen, hinter Heimersberg, nein Heimersdorf.


Steffi: Oder Heimendorf.


DG: Heimendorf ja.


DN: Wir haben vorhin schon Kicker gespielt miteinander. Steffi du hattest die Idee, dass wir das Thema Lebensfreude mal ansprechen.


Steffi: Was ist Lebensfreude für dich?


DG: Lust am Leben.


Steffi: Lust am Leben. Was heißt das exakt? Also fühlst du dich gerade glücklich und lebensfroh?


DG: Gerade im Moment tue ich das tatsächlich ja, weil ich genau das tue, was ich gerade gerne tue. Und zwar draußen in der Natur sein mit Menschen, mit Freunden sogar noch, und mit meinem Hund. Und die Sonne kommt heraus. Das ist auch so ein Faktor. Sonne finde ich ist voll ein Faktor für Lebensfreude.


Steffi: Was gehört für dich dazu, dass du sagst du bist lebensfroh?


DG: Dass ich Leben gestalten kann, dass ich mein Leben gestalten kann, und ja neugierig bin auf das was es da noch alles zu entdecken gibt.


Steffi: Sehr schön. Wir sind gerade eben am Wasserfall, wir laufen ein Stückchen mal weiter.


DN: Ihr hört es wahrscheinlich im Hintergrund. Es ist auch nicht so einfach hier zu laufen, eigentlich alles ziemlich matschig. Aber so ist das halt, wenn man im Januar sich auf solche Wege begibt. So jetzt haben wir wieder festen Boden unter den Füßen und machen mal weiter.


Steffi: David, was ist denn für dich Lebensfreude, bist du gerade lebensfroh?


DN: Bin ich gerade lebensfroh? Also grundsätzlich schon, ich habe ganz viele spannende Dinge, die ich gerade erleben darf, also in Richtung Hausbau und zweite Hochzeit, also kirchliche Hochzeit. Wir hatten die standesamtliche hinter uns. Und ja, neues Jahr, neues Glück. David, du hast vorhin uns auch ganz spannende Sachen erzählt, du hast im neuen Jahr auch ganz viele neue Dinge probiert oder machst dein Leben strukturierter. Erzähl mal davon.


Steffi: Ja genau, ich habe versucht, wie du sagst Struktur ins Leben zu bringen. Und für mich war wichtig vor allem mich wieder zu bewegen. Und ich bin ganz stolz tatsächlich, das sage ich jetzt auch so, dass ich zweimal in der Woche joggen gehe, dass ich mich ein Stückchen auch gesünder ernähre. Gar nicht aus Pflicht heraus, es ist nicht notwendig, sondern mir tut es gut einfach zu sagen hey, überdenke dein Leben und schau mal was du verändern kannst, oder wie du ja vielleicht nicht glücklicher werden kannst, aber zumindest das Glück wieder in den Mittelpunkt stellen kannst. Und mir tut es sehr, sehr gut mich zu bewegen. Auch heute.


DN: Ja Steffi, du bist ja Diakonin, das heißt du hast das Thema Glauben ja auch genauso studiert wie der David, bist ja da auch Expertin dann. Steffi grinst mich an. Was ist denn Lebensfreude aus Sicht der Bibel?


DG: Ja ich habe die Frage mir jetzt auch gestellt und ich glaube, dass Jesus da ein totales Vorbild dafür ist für Lebensfreude. Weil ich glaube das was Jesus wichtig war waren Beziehungen, und auch das Leben zu feiern tatsächlicher Weise. Also ich musste an das Wunder denken, wie er Wasser zu Wein macht, und ich finde das ist auch so ein Zeichen.

Dass man das Leben eben auch feiern darf und im besten Fall in Gemeinschaft, dass man da ist für die Menschen und dass man Leben miteinander teilt. Und ich finde das ist so eine wichtige Botschaft, dass ich die auch gerne leben mag als Diakonin.


DN: Das heißt, ist das dann so der Leitfaden der Bibel für Lebensfreude, Gemeinschaft zu haben? Oder kennst du einen anderen Leitfaden noch, wenn du jetzt so an die Bibel denkst?


DG: Na ja also ich glaube es ist vielfältig, das ist ein Aspekt. Aber ich denke so eine Sache ist Vertrauen ins Leben zu haben. Und die Frage ist natürlich auch die mit der Perspektive. Und wir hatten es heute Vormittag auch schon miteinander auf dem Weg, zu sagen okay, was ist meine Hoffnung, was ist meine Perspektive, und die geht über diese Welt hinaus. Und ich glaube das ist auch was, was Lebensfreude schenkt, wenn ich Vertrauen habe in die Zukunft.


DN: Ja. Ja ich habe mal nach Lebensfreude gegoogelt, und wenn ich dann so diese Bilder mir angeschaut habe, dann ist so das klassische Bild Menschen, die ihre Arme ausstrecken, lachen und in die Luft springen. Was denkt ihr über dieses Bild, also was sagt dieses Bild für euch aus?


Steffi: Ich finde es ja spannend. Ich denke mir tatsächlich, dass Glück aus zwei Polen besteht. Zum einen zu sagen hey, ich bin aufgehoben und angenommen. Und das zweite ist dann tatsächlich sich gebrauch fühlen. Egal wie man das auch dekliniert, wir brauchen eine Aufgabe, ein Ziel, irgendwas wofür wir leben, was die Steffi gerade gesagt hat. Zu sagen wir sind für andere da. Wir verbreiten auch diese Hoffnung. Das hat Jesus uns einfach auch vorgelebt, zu sagen du bist wie du bist angenommen und du hast eine Aufgabe. Erzähle von mir und gebe meine Hoffnung und meinen Weg mit den Menschen weiter. Und zwischen diesen beiden Polen, da bewegt sich letzten Endes für mich das Thema Glück.


DN: Gehalten zu sein, oder wie?


Steffi: Gehalten zu sein, das zu spüren und eine Aufgabe zu haben, also beides. Ich weiß letzten Endes Gott nimmt mich an, wie ich bin, ich muss nicht perfekt sein. Und das Zweite eben wirklich zu sagen okay, ich habe auch einen Auftrag in dieser Welt. Ich bin nicht nutzlos ja, sondern ich habe einen Auftrag.


DG: Ja also ich finde es ist ein schönes Bild dafür, dass Gefühle und Emotionen auch zum Ausdruck kommen. Ich kann mich da wiederfinden in diesem Ausdruck das Leben zu feiern, sich zu freuen, in die Luft zu springen. Das ist für mich auch Lebendigkeit, Impulsivität, Spontanität ist für mich auch Lebensfreude. Und für dich David? Was sagt dir das Bild?



DN: Wenn ihr den Podcast hört und ihr spannt jetzt mal die Arme aus ja, macht das mal hier meine beiden Kollegen. Wie fühlt sich das für euch an? Frei ja. Also ich glaube man hat eine innerliche Größe und eine Weite. Und das ist ja das gleiche, wenn du morgens quasi so in den Spiegel schaust und dich angrinst, du wirst einfach automatisch froh. Und das finde ich auch was, wenn du dich quasi groß machst, dich anlächelst und in die Luft springst, ganz ehrlich, da kann man einfach nicht schlecht drauf sein.


Steffi: Also ist gar nicht so einfach zu sagen okay, ich stehe jetzt jeden Morgen vor dem Spiegel und grinse mich erst mal an. Ja das wäre das Ideal. Und wenn es mir schwerfällt, dann weiß ich aber trotzdem okay, es ist so ja, ich muss es nicht zelebrieren. Wenn ich es kann, ist es gut, das wäre das Ziel, aber wenn ich es nicht kann, dann weiß ich, da ist ja im Hintergrund jemand der richtet mich auch auf. Und das ist Jesus letzten Endes der dann der ist der.


DN: Genau. Jetzt nochmal die Frage, wenn man eben nicht diese Lebensfreude verspürt, David du sagst ab und zu ihr seid für eure schlechte Laune selbst verantwortlich.


Steffi: Für eure Stimmung seid ihr verantwortlich ja. Hat Uli Hoeneß gesagt, Zitat des Bayern Präsidenten. Für eure Scheiß Stimmung seid ihr selbst verantwortlich.


DN: Wenn ich jetzt so richtig down bin, ja, also keine Ahnung, irgendwelche Umstände, sei es jetzt Corona, sei es Tod in der Familie, oder einfach nur eine schlechte Note geschrieben oder was weiß ich, was mache ich dann? Also wie komme ich wieder dazu, dass ich sage ich habe Bock auf das Leben, ich verspüre eine Lebensfreude?


DG: Ich mache da ja eine Fortbildung in Gestalttherapie, die greift das Thema auf.


DN: Okay, was ist Gestalttherapie?


DG: Gestalttherapie ist eine Art der Psychotherapie, also es gibt die Tiefenpsychologie, es gibt die systemische Psychologie, es gibt die Verhaltenstherapie, das sind so die klassischen. Und es gibt eben auch die Gestalttherapie. Und da geht es letztendlich für mich eben auch genau darum, um Lebensfreude und um das Thema mich selbst besser kennenzulernen. Und ein Thema, das mir da jetzt dazu einfällt, ist zu entdecken, was ich denn eigentlich auch brauche. Also auch in den Momenten, wo es mir nicht gut geht zu gucken was brauche ich, und wie kann ich da gut für mich sorgen. Und das heißt also in Momenten, die einfach echt schwer sind Orte zu finden, an denen ich gut aufgehoben bin.


DN: Okay. Und was wären das dann für Orte?



DG: Das ist unterschiedlich, genauso wie wir individuell als Menschen sind, sind das glaube ich auch ganz individuelle Orte. Das kann eine Gruppe sein, in der ich mich gut aufgehoben fühle, das kann ein Therapeut, eine Therapeutin sein, das kann die Gemeinschaft in der Kirche sein, das kann ein Ort sein. Ganz vielfältig glaube ich kann das sein.


DN: Du hast jetzt gerade so gesagt es kann eine Gruppe sein. Wie seht ihr das, welche Rolle spielen Beziehungen im Bereich Lebensfreude?


Steffi: Ich glaube schon, dass das eine Rolle spielt, aber ich glaube es gibt einfach auch Situationen, wo man sich einfach allein fühlt. Und ich denke mir, dass die Suche nach dem Glück nicht die Suche nach dem heiligen Gral werden darf. Dass ich mich ständig versuche selbst zu optimieren. Sondern ich glaube es gibt Situationen im Leben, wo wir uns einfach weit weg von Gott fühlen, und wir da einfach auch so sein dürfen wie wir sind, und dass das auch einen Platz haben muss. Dass wir sagen, okay, mir geht es gerade schlecht und ich fühle mich einfach auch vielleicht nicht wohl in meiner Haut, oder ich fühle mich auch nicht verstanden.

Und deswegen steht dahinter dieses Thema, die Zusage auch zu sagen hey, egal wie es dir gerade geht, du musst dich nicht optimieren. Wenn das Glück dir gerade fern ist, dann ist wer da der sagt sei müßig und beladen, komm zu mir. Und das ist glaube ich eine große Erkenntnis auch zu sagen, das Leben ist nicht geradlinig, sondern wir haben immer wieder Situationen im Leben, wo es einfach eckig wird.


DG: Herausforderung des Lebens, das anzunehmen was gerade ist. Es auszuhalten, dass es vielleicht gerade schwer ist, dass es vielleicht auch gerade echt ein Punkt ist, wo ich in meinem Leben an einer Grenze bin. Und ich glaube es ist wertvoll, wenn man für sich entdeckt und lernt das zu akzeptieren und auch annehmen zu können. Und ich glaube, dass dann auch Veränderung möglich ist.


DN: Ich glaube das ist ja eben genau das Schwierige, zu sagen-, man will ja raus aus dieser Situation, aus diesem schlechten Gefühl. Dann das anzunehmen, zu akzeptieren ja ist schwer.


DG: Ja, aber dann sind wir glaube ich wieder genau bei dem Punkt Beziehungen, und deswegen sind diese für mich elementar. Du hast gefragt, inwieweit sind Beziehungen da relevant, und ich glaube das ist der Punkt, wir sind als Menschen in Beziehungen gestellt und das ist für mich wesentlich, das macht auch Leben aus. Und mit dem was gerade ist eben auch wieder in den Kontakt zu gehen.




Steffi: Wenn wir uns die Hiob Geschichte anschauen, da waren viele Freunde da ja, und letzten Endes konnten Freunde, nicht dass erreichen was Gott erreicht hat. Er hat dann am Ende auch ein bisschen Zähne knirschend, also er hat es ja nicht wirklich akzeptiert, aber er hat gesagt okay am Ende habe ich verstanden, dass ich nur von Gott getragen bin. Aber die Geschichte zeigt, dass das kein billiger Trost ist, der in jeder Situation hilft. Hiob hat gehadert, er hat sich ja was weiß ich die Haare vom Kopf geschert und alles Mögliche getan. In der Situation konnte er es nicht begreifen. Aber am Ende, als alles Fluchen, alle Phasen der Trauer durchlebt waren, wusste er, dass er aufgehoben ist. Auch wir wissen, dass wir aufgehoben sind, egal was in der Welt passiert. Dass letzten Endes am Ende derjenige steht, der uns einfach unendlich liebt und der uns einfach auch geschaffen hat. Das ist manchmal schwer zu begreifen in weltlichen Bezügen, aber es ist das Versprechen das Gott uns gibt. Für mich ist das der Glaube. Glaube funktioniert nicht Patsch, Bumm, Bang, kein Feuerwerk, sondern es ist dieses Grundvertrauen zu sagen ja ich werde gehalten, auch wenn ich gerade das Gegenteil spüre. Und das ist das Schwierigste, weil es sehr unspektakulär ist.


DG: Ja und es braucht auch jemanden der mir das vermittelt in dieser Welt. Und da muss ich echt auch nochmal ein Veto oder ein Statement rein geben, dass ich denke es gibt Lebenssituationen, die sind total derbst scheiße ja, und da komme ich auch allein nicht mehr raus. Und dass ich dann weiß es gibt Menschen, die sind da, ob das jetzt der ist in der Kirchengemeinde, der Pfarrer oder die Diakonin, oder ob es vielleicht auch echt ein Therapeut oder eine Therapeutin ist, oder ein Berater, also Menschen, die auch professionell dafür ausgebildet sind.


DN: Ich glaube das ist auch ein schwieriger Weg für viele, zu sagen ich nehme diese Hilfe an, oder ich gehe auf die Personen zu und helfe mir oder lasse mir da professionell helfen. Also das habe ich jetzt so erlebt, das ist einfach für viele nicht einfach ja da diesen Schritt zu gehen.


Steffi: Zu mir hat mal jemand gesagt, du gehst zur Supervision, hast du ein Problem? Sage ich nein, ich gehe dorthin, weil ich kein Problem haben will. Letzten Endes zu sagen das ist normal und es gehört dazu zu sagen, dass wir uns einfach Menschen holen, weil wir Beziehungen leben, die uns einfach auch diese Sicherheit vermitteln. Und die mit uns gemeinsam lachen, weinen, beten, je nachdem wie dann das Miteinander aussieht, aber es gehört dazu, ohne Menschen geht es nicht.


DN: Ja und es ist ja auch nicht unbedingt ein Zeichen von Schwäche. Oder selbst wenn, also ich mache jetzt auch momentan so ein Coaching im Bereich Führungskräfte, einfach weil ich vorbereitet sein will auf Situationen, die auch mich zukommen und da gut trainiert reinkommen will. Und genauso ist es mit Vertrieblern, die zum Beispiel jeden Tag ja bei Unternehmen was verkaufen, wenn die es nicht trainieren zu verkaufen, dann sind sie nicht gut. Das heißt sie trainieren das vorher, sei es durch einen Coach oder sei es durch sonstige Gespräche. Und da einfach so diese Demut vielleicht zu haben zu sagen ich lasse mir helfen, egal in welchen Bereichen. Oh, jetzt kommt der Hund.


Steffi: Jetzt kommt der Hund und sucht ein Huhn. Ja absolut, also ich denke letzten Endes auch sich selbst, das ist ja auch was tief Christliches, zu sagen hey, wir sind nicht der Mittelpunkt dieser Welt. Sondern das Christentum hat auch einen Demutsgedanken. Zu wissen wir sind gerettet, aber gleichzeitig brauchen wir auch Rettung, wir sind nicht perfekt, wir sind nicht unfehlbar. Wir sind auf Gnade angewiesen.


DG: Und hey wisst ihr, also es ist ja auch so man sucht sich das ja nicht aus. Ein wesentlicher Punkt unseres Lebens sind unsere Ursprungsfamilien, in die werden wir hinein geboren, die suchen wir uns nicht aus. So und dann ist es für viele glaube ich auch l normal was sie erlebt haben in der Kindheit, und denken, sie müssen alles allein auf die Reihe kriegen. Und das ist nicht so. Also gewisse Dinge die kriegt man mit, da wird man geprägt. Und ich denke das ist was, was in einer Therapie einfach bereichernd sein kann, zu erleben, dass ich da auch was verändern kann. Dass ich für manche Dinge in meinem Leben auch gar nichts dafür kann.


Steffi: Ja, weil ich geprägt bin, wie ich bin, das Thema Glaubenssätze oder so. Und ich denke, wenn wir uns den Glauben anschauen, tatsächlich, Sola Gratia, eines der lutherischen fünf Partikular, wie auch immer es heißt, zu sagen ja, wir kriegen es geschenkt. Also wir kriegen letzten Endes diesen Gedanken der Gnade, die befreit, die Zusage, dass wir perfekt sind, wie wir sind, wir kriegen das geschenkt, und zwar jeder. Das heißt wir müssen nichts tun. Und ich erlebe oft, dass dieses Thema Glückssuche, dieses Thema Selbsterfüllung, dass es oft so einen Trieb entwickelt, trotzdem immer mehr zu wollen. Das größte Glück ist doch aus meiner Sicht zu wissen, ich bin angenommen, und das wirklich nicht nur als Floskel, sondern zu sagen hey wir sind allein aus Gnade, Sola Gratia, angenommen. Und wenn wir Menschen es nicht schaffen uns das gegenseitig zu sagen, das finde ich sehr traurig, aber so ist es, dann zumindest zu wissen Gott ist derjenige, der nimmt dich am Ende des Lebens in all deinen Verfehlungen gnädig und liebevoll annimmt. Die Geschichte von Zachäus ist ein gutes Beispiel: Jesus hat nicht versucht Zachäus zu verändern. Er hat nicht gesagt tue das, tue jenes, gehe in Therapie und wenn du dich mit dir auseinandergesetzt hast, dann komme wieder. Jesus hat gesagt: Du bist so wie du bist gut. Komm von dem Baum herunter dann gehe ich mit dir mit, und wenn nicht dann bleib oben, es ist okay. Du bist gut. Zachäus war so begeistert und bewegt von dieser Begegnung und ist freiwillig mitgegangen. Weil er das Erlebnis mit Gott, mit Jesus hatte und von ihm und seiner Botschaft berührt wurde.


DN: Und das ist halt glaube ich genau das, was wir ja so als Menschen so im Täglichen eher erleben, dass wir denken, wenn ich Lebensfreude verspüren will, muss ich was dafür tun. Ich muss keine Ahnung Sport machen, und ich muss das machen und ich muss jenes machen, Das ist ja genau das was dann konträr gegenübersteht. Du musst erstmal gar nichts machen. Du musst es „nur“ akzeptieren und es annehmen Genau, dass ich geliebt bin. Und dass ich daraus schon Freude schöpfen kann.


DG: Ja und ich glaube aber auch, dass es eben einen Menschen braucht, der mich das spüren lässt. Das kann ich nicht aus mir heraus.


Steffi: Nein, es muss dir einer sagen, natürlich


DG: Oder auch manchmal gar nichts sagen, sondern dich spüren lassen.


Steffi: Richtig, also das ist absolut richtig. Aber wenn wir jetzt noch weiter gehen, wenn wir uns die Kreuzigung Jesu anschauen und sagen. Hey, da waren Räuber am Kreuz. Und einer der sagt zu Jesus: Hey was muss ich tun, dass ich zu Gott komme? Nimm mich bitte mit zum Vater. Und dann sagt Jesus nichts anderes als: Glaube, es ist okay, du kommst mit mir rüber und wirst im Paradies aufwachen. Da passieren keine guten Taten mehr. Allein der Glaube, es geht nicht darum irgendwas oder sich verändern zu müssen. Sondern allein der Glaube an Jesus, an Gott, der reicht letzten Endes aus, um dann erlöst zu werden. Wenn das kein Lebensglück ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Da sind wir eine der wenigen Religionen, die das so sagen kann. Du musst nichts leisten. Du bist gut so wie du bist, allein aus Gnade, als Geschenk.


DN: Ja das ist auf jeden Fall ein sehr schöner Zuspruch. Steffi, ein paar letzte Worte für unsere Zuhörer.


DG: Ja schön mit euch unterwegs zu sein.


DN: Es war auch eine Ehre mit dir unterwegs sein zu dürfen. Und wir sind ziemlich ausgefroren und wir freuen uns jetzt auf eine schöne Gaststätte, wo es warm ist und wo wir noch einen Glühwein trinken dürfen. In diesem Sinne wünschen wir euch, viel Lebensfreude. Macht es gut, tschüss.


Steffi: Ciao, ciao.

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