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#18 Nächstenliebe & Menschlichkeit

Unseren neuen Gast Lucas beschäftigt das Thema Nächstenliebe und Menschlichkeit gerade in seiner Arbeit und Hochschulgemeinde sehr: Sie haben viele ukrainische Gaststudierende, die über 15 Ecken geschoben werden und keiner will weiterhelfen. "Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt." - so Sido und Andreas Bourani in ihrem Song Astronaut. Fehlt uns die Menschlichkeit und damit auch die Nächstenliebe? Eine spannende Podcast-Tour durchs wunderschöne Bamberg auch mit Steffi und ihrem Hund Xena!





 

DG: David Geitner

DN: David Naßler


Gäste:

Lucas

Steffi



DG: Ja, wir sitzen gerade hier in Bamberg mitten auf der Burg. Wie heißt diese Burg?


Lucas: Auf der guten Altenburg.


DG: Sehr schön. Wir wollen uns heute mit dem Thema Nächstenliebe beschäftigen oder anders gesagt Menschlichkeit. Blickt man auf die Welt, dann braucht man für den Glauben an Menschlichkeit eine gehörige Portion Optimismus. Ich habe etwas lustiges herausgefunden: Optimismus heißt tatsächlich Sumsi mit Po. Wir freuen uns sehr, Lukas, dass du dabei bist. Und Steffi, dass du dabei bist. Mit deinem Hund Xena


DN: Ja, herzlich willkommen. Bevor wir mit dem Podcast starten, möchten wir euch noch was ganz kurz Lustiges vorspielen. Wir sind nicht perfekt. Das heißt, wir bringen immer wieder mal Ähms in unseren Podcast rein. Und es gibt eine coole Software, die heißt, Ähminem. Und mit Ähminem kannst du deine Ähms aus dem Podcast rausfiltern. Ich will euch mal kurz etwas vorspielen, weil es so lustig ist. Also ich breche das mal ab. Es dauert nämlich 36 Sekunden lang. Und zwar ist es der komplett gefilterte Podcast von Work-Life. Alle unsere Ähms einmal rein und mit dieser Software kannst du es komplett herausfiltern. Das heißt, du hast 36 Sekunden weniger Ähms. Und damit ein deutlich besseres Hörerlebnis für euch. Dafür wollen wir kurz Werbung machen. Schaut euch diese Software doch mal an. Werden wir auch noch verlinken. Nun aber zurück um Thema. Nächstenliebe und Menschlichkeit. Lukas kam auf uns zu. Wir suchen Leute und Orte, mit denen wir den Podcast machen können. Heute sind wir mal eben im wunderschönen Bamberg. Dabei haben wir echt Glück. Denn es sind heute 22 Grad, Sonne. Wir sind mit Lukas, Steffi und Xena unterwegs. Lukas meinte, lasst uns doch mal über das Thema Nächstenliebe sprechen. Lukas, warum?


Lucas: Mich beschäftigt das Thema Nächstenliebe gerade in allen möglichen Teilen meines Lebens. Auf Arbeit und auch auf Uni. Also ich studiere in Bamberg. Wir haben einige Gaststudierende aus der Ukraine. Ich verwalte beruflich ein Studentenwohnheim. Da bekomme ich es mit, wie sie irgendwie von einer Stelle zur nächsten geschickt werden. Kaum jemand kümmert sich und die Geflüchteten fühlen sich nirgendwo zugehörig. Keiner fühlt sich verantwortlich weiterzuhelfen. Die Menschen hängen ein bisschen in der Schwebe. Deswegen bewegt mich das dienstlich und privat.


DG: Wie würdest du es dir wünschen?


Lucas: Wie meinst du das, wie ich mir was wünschen würde?


DG: Wie würdest du dir Mitmenschlichkeit in dieser Situation vorstellen?


Lucas: Ich würde ein bisschen mehr Verantwortung wünschen. Ich meine, es gibt gewisse Stellen, die sind extra für so was da. Und wir sind trotzdem an einem Punkt, dass die Menschen einfach in der Schwebe hängen. Einfach bloß irgendwo ein Aktenzeichen sind. Also für viele Behörden sind es keine Menschen mehr. Sondern bloß irgendein Arbeitsvorgang, den man einfach wegschieben kann. So fertig mit Schritt eins und jetzt warten wir mal zwei Wochen, bis wir den Arbeitsschritt abschließen können. Es ist gefühlt kein Mensch mehr.


DG: Also du erlebst, dass es keine Wertschätzung mehr den Menschen gegenüber gibt. Dass das Einzelschicksal dort nicht mehr wahrgenommen wird. Und du würdest dir wünschen, verstehe ich das richtig, dass man sagt. Wir sehen den Menschen an, dass dieser eine Wertigkeit bekommt. Dass die Prozesse optimiert werden und so Menschen schneller geholfen werden kann. Hast du Kontakt zu ukrainischen Geflüchteten?


Lucas: Ja. Wir haben jetzt aber nicht nur ukrainische Flüchtige aufgenommen. Sondern auch russische Geflüchtete. Da haben wir Kontakt. Wir hatten auch schon telefonisch Kontakt mit dem Jobcenter. Um als Vermittler zu wirken z.B. Zwecks Mietkostenübernahme und solche Geschichten. Die nötigen Dokumente zur Verfügung stellen. Da gibt einige große Hürden. Wir unterstützen dabei, wo wir können. Haben da auch mit einigen Personen schon Kontakt gehabt.


DG: Steffi: Das Thema Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe als Gemeinde-Diakonin. Wo kommt es vor, wie kommt es vor?


Steffi: In der Begegnung mit den Menschen kommt es auf jeden Fall vor. Dür mich das Wesentliche ist: Da zu sein.


DG: Da zu sein? Wie lebst du das?


Steffi: Ja, indem ich e präsent bin, wenn Menschen mir begegnen mit dem, was sie mitbringen.


DG: Okay. Das heißt, wenn du sagst, die letzte Begegnung wo du Mitmenschlichkeit erlebt hast, die du als bereichernd empfandest, in dem Bereich, wo würdest war das?


Steffi: Ich glaube es ist immer, wenn wir gesehen werden. Also sowohl ich als auch mein Gegenüber. Ich glaube, das ist was ganz Wesentliches in der Arbeit, in der ich stehe. Dass der Mensch gesehen wird. Und natürlich einfach auch mit Gefühl dazu. Und mit Herz.


DG: Sich ganz reinzugeben in die jeweilige Situation auch. Vorher auf der Arbeit, David, wenn ich dich mal frage. In so einer Firma ich meine wir haben vom Sozialbereich gesprochen. Viel sage ich mal aus dem System Gaststudenten. Wie ist dann im klassischen Business?


DN: Klassischem Business im harten Alltag? Im Leben. Ja, ich meine, natürlich ist da Nächstenliebe auch ein wichtiges Thema. Es wird zwar nicht so ausgesprochen. Du würdest wahrscheinlich weniger im klassischen Büroalltag das Wort Nächstenliebe hören. Aber genau deswegen ist es umso wichtiger, es zu leben. Also im Sinne von wie wertschätze ich meine Mitarbeiter*in, meine Kolleg*innen? Wie begegne ich ihnen? Bin ich auch mal offen, vielleicht auch mal private Themen zuzulassen? Im Mitarbeitergespräch auch mal zu fragen, hey, wie geht es dir? Was kann ich tun für dich? Im normalen Gespräch, im Mitarbeiterjahresgespräch oder natürlich auch, ja, auch bei den Teamevents. Eine Verbindung miteinander zu schaffen. Das ist einfache Nächstenliebe. Dass ich mit Leuten gut zurechtkomme. Und das ist ja auch die Basis von einem erfolgreichen Geschäft. Weil wenn mir die anderen egal sind, dann werde ich auch nicht erfolgreich sein. Klar, ich kann natürlich bis zu einem gewissem Punkt erfolgreich sein, wenn mir mein Kolleg*innen egal sind. Aber ich glaube trotzdem, dass man nur im Team und im Miteinander Erfolg hat.


DG: David, du hast das Thema Wertschätzung angesprochen. Also ich meine, Lukas du hast mal bei einem großen Telekommunikationsunternehmen gearbeitet. Steffi du in der Kinder- und Jugendarbeit. Also wie bringt ihr Wertschätzung den Leuten gegenüber? Wie versucht ihr das zu machen? Du hast gesagt über Zeit, Steffi. Wie ist das Thema Wertschätzung bei dir verankert im Alltag?


Steffi: Also ganz interessanterweise gab es jetzt das Thema Geburtstage zum Beispiel. Een Ehrenamtlichen ist es sehr wichtig, dass an diesem Tag auch an sie gedacht wird.


DG: Nicht nur Ehrenamtliche. Ich fand es witzig, weil auch bei mir dreht es sich darum, wie der Chef die Mitarbeiter*innen wahrnimmt. Der Mensch will gesehen werde. Das fand ich spannend. Die Mitarbeiter*innen finden es wertschätzend, wenn der Pfarrer*in ein Geschenk überbringt. Das sind fünf oder zehn Euro an materiellem Wert. Aber es kommt wer und sieht dich und das sehen die Mitarbeiter*innen als positiv an.


DN: Aber das heißt, würdest du dann Wertschätzung mit Nächstenliebe und Menschlichkeit gleichsetzen? Oder, gib es da für dich einen Unterschied? Ich finde das schon eine spannende Diskussion. Zu dem Thema gibt es ein Lied von Andreas Bourani. Astronaut. Habt ihr vielleicht schon mal gehört. Da singt er: Wir bauen immer höher, bis es ins Unendliche geht. Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt. Von hier oben macht das alles plötzlich gar nichts mehr aus. Von hier oben sieht man keine Grenzen, nur die Farben der Haut. Wir sind zwar acht Milliarden Menschen, das ist ein Fakt. Aber sind wir wirklich nicht menschlich? Sind wir nicht nächstenliebend?


DG: Na ja ich habe es ja vorher kurz angesprochen. Und ich glaube tatsächlich die Fragestellung ist: Von was sprechen wir? Wenn wir es unter dem Gesichtspunkt der Philosophie oder der Theologie betrachten, gibt es klare Definitionen. Da gibt es verschiedene Formen von Liebe. Das eine ist, dass was wir gerade leben. Das nennt man Filia, das ist die freundschaftliche Liebe. Wenn man zwei gleiche Werte, man teilt gleiche Haltungen und hängt miteinander ab. Hoffe ich jetzt mal, dass das bei uns so ist. Wenn es anders ist, dann merken wir es später noch, aber gut. Das andere ist dann Eros. Das ist das erotische Liebe. Eros ist etwas, was stark in der individuellen Beziehung zu deinem Partner, deiner Partnerin verankert ist. Und das dritte ist tatsächlich Agape. Die bedingungslose Liebe. Ich glaube, wenn wir jetzt dieses Thema Nächstenliebe, Menschlichkeit ansprechen, dann ist genau, dass das Problem. Von welcher Form von Liebe sprechen wir: Lukas hat davon erzählt, dass er sich mehr Einsatz von manchen Behörden und deren Mitarbeiter*innen wünschen würde. Das mehr hineingegeben wird, als ich herausbekomme gebe mehr, als ich bekomme. Das ist mehr als Wertschätzung, das ist gut, aber das ist noch keine Nächstenliebe. Nächstenliebe oder Agape ist aus meiner Sicht eine Liebe ohne einen vordergründigen Gegenwert. Und jetzt überlegen wir mal. Gibt es diese Situationen in meinem Leben. Zu sagen, da haben wir etwas getan, ohne einen Gegenwert zu empfangen. Dann wird es schon schwieriger denke ich.


DN: Oder vielleicht gerade mal auf die Partnerschaft. Da, wahrscheinlich schon. Aber darüber hinaus. Also ich meine gut, in Partnerschaften sagst du auch okay, ich massiere dich jetzt, aber dafür will ich auch massiert werden. Aber darüber hinaus, wenn du, keine Ahnung, jemanden auf der Straße triffst, der deine Hilfe braucht, würdest du wahrscheinlich eher keinen Gegenwert erwarten. Aber hilft man dann wirklich?


DG: Es gibt dazu eine Bibelstelle: „Der Herr ist unser Gott. Du sollst deinen Gott lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von all deiner Kraft.“ Und das andere ist: „Du sollst deinen nächsten lieben, wie dich selbst.“ Und ich habe es nochmal nachgeschaut, weil es mich sehr bewegt hat. Im griechischen Urtext steht: „Du wirst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ Genau, das heißt, wenn du Gott liebst, dann wirst du deinen Nächsten lieben. Das sind zwei Seiten einer Medaille. Glaube ist Nächstenliebe. Es geht nicht anders. Das gehört zusammen. Glaube oder die Überzeugung, zu sagen, Gott ist da, verändert meinen Blick auf den Nächsten und bringt mich in Bewegung, ob ich will oder nicht.


DN: Das Thema Nächstenliebe oder Barmherzigkeit, ist ja für mich ein Grundpfeiler des Glaubens. Also ist für mich ein Grundpfeiler des Christentums und anderer großer Religionen. Eben diese Nächstenliebe, diese Barmherzigkeit, die wir anderen Menschen entgegenbringen. Wenn wir es größer denken, funktioniert ja auch nur so eine Gesellschaft. Denn wenn wir jetzt alle nur für uns leben, kann eine Gesellschaft nicht existieren. Da kommen wir nicht sonderlich weiter. Das Thema Ehrenamt und alles sind ja Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft.


DG: Spannend. Du argumentierst, dass es dazugehört und man es machen muss/soll. Das es eine Norm ist zu sagen: Wenn ich glaube, dann muss ich, soll ich, wie auch immer meinen nächsten Lieben. Aber der Urtext legt es noch etwas klarer aus: Er gibt uns gar keine Wahl, indem er feststellt: Als Christ wirst du lieben, wenn du in der Nachfolge Jesu bist. Ich komme nicht aus. Ich kann nicht sagen, ich bin Christ und ich übe keine Nächstenliebe. Das funktioniert halt nicht.


Steffi: Ich glaube, da ist ein Unterschied zwischen Wertschätzung und Nächstenliebe. Das war nochmal das Thema. Dass ich bei der Nächstenliebe auch tatsächlich was von mir mit hinein gebe in den Kontakt. Und dass es um das Gefühl geht: Also wo lasse ich mich berühren von meinem Gegenüber? Und wo fühle ich mit, mit meinem Gegenüber? Und ich glaube, wenn das in einem Kontakt eine Beziehung da ist, dann fließt es. Und ich glaube, das ist auch genauso mit dem Glauben. Da passiert etwas Authentisches und was Echtes, wenn ich auch in der Beziehung zu Gott lebe. Dann verändert mich das eben auch so, dass ich gut in Beziehungen unterwegs sein kann und will.


DN: Aber inwiefern? Also wenn du sagst: Ich lebe in Beziehung mit Gott und das verändert, wie ich mit anderen Menschen umgehe. Wie meinst du das?


Steffi: Ich glaube, dass die Beziehung zu Gott auch mich immer mehr zu mir selbst bringt. Zur mir als Mensch wie ich bestimmt bin. Wie Gott mich geschaffen hat. Das ist für mich eine Lebensaufgabe. Zu der Person zu werden, wie Gott ursprünglich bestimmt hat.


DG: Spannender Gedanke Steffi: Theologisch gesprochen, ist dass das Paradies, aus dem wir herausgeworfen oder uns aufgrund von Überhöhung und eigener Überschätzung selbst hinausgestoßen haben. Unsere ursprüngliche Bestimmung als Mensch ist es bei Gott zu sein. Was du jetzt sagst, Steffi ist die Konsequenz und unsere Aufgabe in dieser Welt: Zurück zu Gott zu kommen. Eigentlich waren wir mal eins. Gott und wir waren mal eins. Dann kam eine Trennung. Jetzt sage ich mal, biblisch gesprochen, die Schlange die dem Menschen – das bedeutet Adam übersetzt – gesagt hat: Du könntest doch auch Gott sein. Wofür brauchst du den Gott. Adam – der Mensch, hat sich davon einlullen lassen. Und seitdem leben wir getrennt. Und das Ziel ist es zurück zu Gott zu gelangen. Das klingt so einfach und ist doch so schwer. Ein wichtiger Punkt hierfür, ist sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.


Steffi: Die Frage ist, ob nicht Gott auch in uns zu finden ist.


DN: Ich finde das ist ein schwieriger Grad zwischen Egoismus, Selbstliebe und nur auf sich selbst fokussiert zu sein. Wenn ich sage in mir ist Gott, dann ist das schon sehr auf mich ausgerichtet. Ich beschäftige mich dann sehr mit mir selbst, um herauszufinden wer ich bin. Aber das hat ja erstmal nichts mit Nächstenliebe zu tun, weil-.


DG: Ich denke pathologisch schwierig wird es erst, wenn ich sage „Ich bin Gott.“ Das ist ein Problem.


Steffi: Dass was du ansprichst ist ja, wenn ich mit mir selbst im Reinen, im Frieden bin. Das heißt aber umgekehrt nicht, dass das etwas ist, was jetzt nur exklusiv so ist. Dass ich nur mich mit mir selbst beschäftige. Beides kann parallel funktionieren. Ich kann mich mit mir selbst beschäftigen und Zeit mit mir verbringen, herausfinden, wie kann ich in Frieden mit mir selbst sein. Und ich kann gleichzeitig mit anderen in Kontakt sein.


DN: Wir hatten es ja auch erst in einem Podcast. Erst wenn mit mir im Reinen bin kann ich erst Gottes Königreich bauen.


Steffi: Ich glaube es ist ein Prozess. Du bist nie fertig.


DN: Natürlich nicht. Man kann auch immer nur nach dem Besten Ich streben und an sich selbst arbeiten. Es wird da nie einen Endpunkt geben, wo ich sage, so, jetzt bin ich fertig mit mir.


DG: Absolut. Es ist einfacher zu sagen, okay. Es geht um eine Auseinandersetzung. Ich lasse meine Schwächen so stehen wie sie sind. Für mich in meiner Lebensphase ist das gerade so, dass ich lerne mich selbst zu akzeptieren. So wie ich bin. Weil ich weiß, es ist, wie es ist und ich kann da schwer aus meiner Haut.


Steffi: Und es verändert sich ja auch. Du bist heute ein anderer als morgen.


DG: Genau. Mit sich selbst im Reinen zu sein, eröffnet dir viel mehr Perspektiven auch. Dann kannst du für dein Gegenüber offen sein.

Lukas: Ich finde es gerade krass. Wenn ich jetzt den Podcast wahrscheinlich nachhören würde: Wo ist die Verbindung von Nächstenliebe und dem, was wir gerade besprechen.

DG: Ein ganz großes Thema. Also man kann es auf verschiedene Arten angehen. Und kann in ganz verschiedene Richtungen abdriften, so wie wir es jetzt halt auch gerade tun. Es hängen die Themen Nächstenliebe, Liebe, Barmherzigkeit, Miteinander zusammen. Also für mich zumindest ist es nicht so leicht zu fassen.


Steffi: Was heißt Nächstenliebe? Den anderen zu lieben, so wie er ist. In dem Moment, wie er gerade da ist. Und ich glaube, das zu leben. Und das kann ich, wenn ich auch mit mir selbst im reinen bin. Und dann sind wir wieder beim Thema Selbstannahme und Selbstliebe.


DG: Um es nochmal ein Stück weiterzuspinnen. Wer ist denn der Erste und der letzte der uns bedingungslos annimmt: Das ist Jesus Christus. Also wenn alle Stricke reißen, wenn unsere Diskussionen letzten Endes irgendwo weltliches Geschwätz bleiben und wahrscheinlich ist es so dann bleibt da einer: Christus.


DN: Kurzer Szenenwechsel und auch Zeitwechsel. Wir sind jetzt hier ein, zwei Wochen später auf dem Sofa bei David. Wir haben uns gedacht, wir wollen nochmal den Podcast ein bisschen aufrollen. Ein paar Themen nochmal anders betrachten. Und deswegen sitzen wir hier und ja. Unterhalten uns nochmal über das Thema Nächstenliebe.


DG: Mir ging es auch ganz persönlich so, dass das eine oder andere ja zu kurz gekommen ist. Weil es doch so ein großes Thema ist, dass wir gesagt haben, wir wollen das nochmal aufarbeiten. Nochmal ins Gespräch kommen. David, was ist denn für dich hängen geblieben vom Podcast zum Thema Nächstenliebe? Wenn du es in einem Satz zusammenfassen müsstest?


DN: Genau das ist eigentlich das Problem. Da tue ich mir echt schwer. Also wir haben über ganz viele Themen geredet. Haben einen Exkurs zum Thema Selbstbewusstsein gemacht…


DG: Mit sich selbst im Reinen sein.


DN: Mit sich selbst im Reinen sein, genau. Und zum Ursprungsgedanken war dann kein roter Faden mehr. Ich kann das jetzt nicht in einem Wort zusammenfassen. Oder in einem Satz. Das ist der Grund, warum wir jetzt hier nochmal zusammensitzen.


DG: Um über dieses Thema nochmal in das Gespräch zu kommen. Ich habe nochmal eine Bibelstelle dabei: „Die sieben Werke der Barmherzigkeit.“ Und die sind mir als Diakon natürlich auch ganz wichtig. Ich weiß nicht, ob du dieses Altarbild vielleicht kennst. In der Philippuskirche bei uns in Rummelsberg. Wir werden da auch eingesegnet. Also das heißt quasi nach sieben Jahren Studium oder Ausbildung oder wie auch immer man das nennt bei uns wirst du unter diesem Altarbild eingesegnet. Also blickst du es an und siehst die sieben Armenpfleger.

Jeder dieser Sieben tut etwas für den Nächsten. Einer speist die Hungrigen. Der andere gibt den Durstigen was zu trinken. Der dritte besucht die Kranken. Der vierte beherbergt den Fremden. Der andere besucht Gefangene und der letzte bestattet die Toten. Das sind Formen wie sich in der Bibel Nächstenliebe ausdrückt. Was wäre denn für dich so ein Ausdruck von Nächstenliebe im Alltag?


DN: Also ich hatte es vorhin ja schon genannt mit Wertschätzung. Aber ja, jemandem helfen, jemandem auch zu sagen, dass ich ihn oder sie liebe. Und einfach auch vielleicht zu helfen, ja. Wenn irgendwelche Themen gerade da sind, Beratung nötig ist ja, oder Rat nötig ist. Da einfach zu sagen, du bist mir wichtig. Und deswegen möchte ich dir helfen, in der Situation, in der du dich gerade befindest. Sei es durch Rat oder sei es durch Tat.


DG: Fällt dir das leicht im Alltag das Thema Nächstenliebe? Also bei mir ist es beruflich. Ich bin da fein raus aus der Nummer und ich kann sagen, ich mach den ganzen Tag nichts anderes.


DN: Ich bin ja so jemand, der kann ganz schwer nein sagen. Und ich helfe vielen Leuten. Wenn ich das so im Bereich Webdesign zum Beispiel. Also es ist ein Paar, da helfe ich immer super gerne. Und habe bis vor, weiß nicht, ein, zwei Jahren auch immer ja gesagt. Und meistens auch nichts berechnet. Das ist vielleicht ein Stück was dazu gehört zum Thema Nächstenliebe Jemand helfen, auch wenn es nicht gerade Freunde sind. Ich habe mal für ein Unternehmen aus Nürnberg was gemacht. Manchmal helfe ich auch Handwerksunternehmen. Weil ich weiß, die haben es wahrscheinlich schwer genug. Gerade in dieser digitalen Welt. Da habe ich dann auch etwas gemacht, ohne jetzt groß eine Gegenleistung zu wollen. Man muss aber auch aufpassen, weil wenn man immer nur ja sagt, dann wird man ausgenutzt. Das hat mir dann nicht gutgetan.


DG: Also Ausnutzen ist ein spannender und guter Gedanke. Wenn ich auf die sieben Werken der Barmherzigkeit zurückkomme, steht am Ende etwas ganz Interessantes. Denn es steht was mit denen passiert, welche sich nicht an die sieben Werke halten. Diejenigen die nicht ihren Nächsten helfen. Dort steht, sie werden dem Feuer zugeworfen, in die Hölle geschmissen und sonst irgendwas. Wir lösen das gleich noch auf, ja. Ist so ein bisschen wie in einem Science-Fiction Film. Und doch geht es auch an dieser Stelle um genau diese zentrale Fragestellung: Warum sollen wir etwas Gutes tun? Du hast vorhin gesagt, für dich ist Nächstenliebe dann vorhanden, wenn du etwas ohne Gegenleistung machst. Das meint Jesus mit dem Gleichnis. Vom Weltgericht heißt es. Also das wonach Gott am Ende urteilen wird, warum haben wir dem Nächsten etwas Gutes getan? Es geht gar nicht mal darum, was man tut. Ich glaube, es gibt Menschen, die lassen als Beispiel Geflüchtete bei sich in der Wohnung einziehen und leben mit ihnen als einer großen Familie. So sehr mir Geflüchtete am Herzen lieben, dass könnte ich gar nicht. Es geht nicht darum, wer mehr tut, wer am meisten tut, wer das Auffälligste tut. Es geht nicht daran die meisten zu missionieren, zu sagen ich war mal im Kongo und habe dreihundert Menschen missioniert. Darum geht es nicht. Sondern es geht darum, warum ich es tue. Mache ich es für Gott und mit dem Herzen oder mache ich es für meine persönliche Anerkennung, weil ich ein besseres Gefühl habe. Das ist das, was Jesus nicht will. Wenn du Nächstenliebe üben sollst als Christ, dann tu es ohne Gegenleistung, ohne Anerkennung. Mach es aus der Liebe heraus, die Christus dir entgegengebracht hat. Das finde ich sehr schön. Du sagst, hey, ich helfe einfach, weil ich helfen will. Klar, man muss auf die schwarzen Schafe aufpassen, sonst wird man ausgebeutet. Aber tu es immer wieder, ohne Gegenleistung und nur aus der Liebe Christi heraus.


DN: Ich glaube aber, dass genau das die Motivation für viele ist. Also mich eingeschlossen in manchen Dingen. Und die Frage ist, wenn man keine Gegenleistung erwarten würde, würde dann die Menschheit so nächstenliebend sein, wie sie aktuell ist?


DG: Ist die Menschheit wirklich so nächstenliebend? Ich wäre mir da gar nicht so sicher. Ich glaube, das hört sich ein bisschen blöd an. Wenn wir alle ein bisschen mehr Gottesfurcht hätten und wirklich das Geschenk, was Christus uns gegeben hat, ernst und annehmen würden. Nämlich, dass er sich unser erbarmt, weil wir Fehler machen. Und dass wir gar nichts leisten müssen. Wenn wir das wirklich, demütig begreifen würden, dann wäre die Welt schon mal eine viel bessere. Ich glaube, dann würde es wesentlich weniger Armut geben. Wesentlich weniger Menschen wären auf der Flucht und es würde keinen mehr geben, der hungern und dürsten müsste.


DN: Ich finde gerade das superschwer zu begreifen.. Weil denkst du, das kann nicht sein, dass ich so ein großes Geschenk bekomme und nichts tun muss. Wir müssen nicht mal einen Podcast machen.


DG: Nein, müssen wir nicht. Das ist aber das Problem unserer weltlichen Gedankenwelt. Da gibt es immer nur die Gleichung: Leistung = Gegenleistung. Es gibt nichts umsonst. Meine Mutter hat gesagt: „Umsonst gibt es nichts.“


DN: Kein Lohn ohne Arbeit.


DG: Ja genau, gibt es nicht. Und bei Gott ist es genau anders. Da gibt es Alles für Nichts. In Anführungszeichen für Nichts. Du musst nichts tun, sondern du musst einfach nur dein Herz hingeben. Was schwer genug ist. Und das ist so gegen jegliche weltliche Logik. Das sich aber bewusst zu machen, dass wir nichts tun müssen. Wir sollen den Nächsten lieben. Aber die Voraussetzung für den Himmel ist es nicht, die Konsequenz aus dem Glauben hingegen schon. Ich denke, das ist aber, wie du sagst, eine ganz, ganz große Herausforderung. Das zu begreifen ist ein lebenslanger Prozess denke ich auch. Weil du sagst, es ist so eine große Herausforderung. Ich glaube, eine ganz wichtige Komponente das zu lernen, ist das Gebet. Denn das Gebet steht vor jeglicher Tat. Egal was du tust, macht keinen Sinn, wenn du es nicht aus dem Gebet heraustust und immer wieder darauf zu konzentrieren. Ins Gebet zu gehen. Zu sagen: Hey, Gott, dein Wille geschehe, nicht meiner. Du hast das in einem anderen Podcast mal so schön gesagt. Das sich immer wieder vor Augen zu führen, das tut gut. Und dann hinausgehen zu können in die Welt. Ich habe noch ein schönes Zitat gefunden zum Schluss: „Denn Gott ist größer als unser Herz es je sein kann.“ Vielleicht ist das ein schöner Schlusssatz zum komplexen Thema Nächstenliebe.


DN: Alles klar. Dann bis zum nächsten Mal.


DG: Ciao.

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